Montag, 24. April 2017

Emotional schon abgestiegen


Durch die Niederlage gegen Freiburg wird's wohl nix mit Europa nächstes Jahr. Wir hätten es auch nicht verdient, wenn man ehrlich ist. Vielleicht ist jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Trainer, Spieler und Verantwortliche eingestehen: Es geht nur noch darum, nicht abzusteigen. Dieses ständige "Wir schauen nur auf uns" geht sonst mächtig in die Hose. 


Das Schlimmste für einen Fußball-Fan ist nicht die Niederlage der geliebten Mannschaft, sondern der ausbleibende Ärger über diese Niederlage. Bei mir war das gestern so. Ich bin an und für sich ein sehr emotionaler Mensch. Im Stadion habe ich schon geweint, geschrien und meine Platznachbarn mit Bier übergossen. Gestern aber war da nach 90 Minuten nur Leere. Diese Mannschaft hat bei mir den Kredit für Emotionen jeglicher Art verspielt. 

Mir fehlt einfach der Zugang zu den Spielern, die da auf dem Platz stehen und der Glaube an deren Einsatz für uns Fans und den Verein. Bestes Beispiel: Julian Brandt. Der Junge schlendert mit einer Arroganz über das Spielfeld, während wir auf den Tribünen und vor dem Fernseher um die Erstklassigkeit unseres Vereins bangen. Da stellt sich mir die Frage: Ist den (meisten) Spielern der Verein scheißegal? 

Ich befürchte, die Antwort schon zu kennen. Man kann von diesen hochbezahlten Profis nicht erwarten, dass sie sich das Vereinslogo auf die Stirn tätowieren lassen. Wenn es aber schon spielerisch nicht läuft, muss man sich die Füße wund laufen und jeden Zweikampf führen als wäre es der letzte. Da sollten sich Brandt und Co. mal ein Beispiel an Darmstadt nehmen. Die sind schon längst abgestiegen, ackern aber trotzdem noch wie blöd und haben am Wochenende in Hamburg gewonnen. 

Unsere Spieler sind der komplette Gegenentwurf dazu: Wo sind die Emotionen? Wo ist das gegenseitige Pushen? Wo ist die Leidenschaft für Verein und Fans? Ich sehe nur aalglatte Profis ohne Ecken und Kanten, die sich der Situation ergeben. Gegen Bayern haben die Jungs gefightet und sich den Punkt verdient. Gestern haben sie aber bewiesen, dass sie mental nicht in der Lage sind, auch abseits des großen Rampenlichts den Schalter umzulegen und Gras zu fressen. 

Ich habe kein gutes Gefühl, was den Rest der Saison angeht. Da ist derzeit niemand auf und neben dem Platz, dem ich vertraue. Der Trainer wirkt überfordert und wechselt mir vollkommen unverständlich. Die Verantwortlichen üben sich in Durchhalteparolen. Die Spieler glauben immer noch, sie würden alles spielerisch lösen können. Klingt verdammt nach Absteiger.

Kommentare:

  1. Sehr gut geschrieben-genau so sehe ich das auch.

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    1. Spricht mir aus dem Herzen!

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  2. Bitte ausdrucken und in der Kabine oder im Werkself Bus verteilen...

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  3. Sehr gut die Situation beschrieben!! Der Verein ist jetzt schon emotional abgestiegen!!

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  4. Nach der saison wird es zeit für einen umbruch. Mich kotzt es an das gewisse Spieler nur gut gegen Vereine spielen,die (zu ziemlicher wahrscheinlichkeit) ihr nächster Geldgeber sind. Wegvom Sprungbrettimage, hin zur Leidenschaft!

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  5. Vielen Dank für diese,leider wahren Worte, die die Situation treffend offenlegen!

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